Es ist doch so viel mehr…

Ich möchte euch auch einen kleinen Einblick in mein Gedanken- und Gefühlsleben gewähren, denn Prag und das, was ich hier erlebe ist so viel mehr als nur „ich war hier und hier“ und habe „das und das unternommen“. 

Prag gibt mir dieses eine bestimmte Gefühl hierher zu gehören. Ich sollte einfach nicht gehen… noch nicht und gefühlt auch nicht in 5 Monaten. Prag fesselt und hält mich in seinem goldenen Käfig. Das lehnt vermutlich an das an, was Kafka geschrieben hat, aber ich empfinge Prag nicht als „fesselnd“ auf eine negative Art und Weise. Ich fühle mich hier Zuhause. Es ist so, als ob diese Stadt für mich erbaut worden wäre, um mir einen Ort zu schenken, an dem ich mich endlich richtig wohl fühle. Dabei fällt es mir so schwer zu sagen, was es genau ist, das mich so fesselt.

Vielleicht ist es das perfekte Licht der Morgensonne, das in mein Fenster scheint und mich jeden Morgen gerne aufstehen lässt. Sobald ich meine Gardinen beiseite schiebe und auf die alte Fassade gegenüber blicke, hab ich erneut dieses bestimmte Gefühl. Es ist wie Verliebtsein. Vielleicht ist es das Entlangschlendern durch die Gassen und jedes Mal etwas neues entdecken. Ein neues Café, eine neue zauberhafte Boutique, ein neues Detail an den alten Häusern. Vielleicht ist es das Kopfsteinpflaster, oder die Moldau, oder das Erleuchten der Stadt in der Nacht. Vielleicht sind es aber auch die Menschen, dieser Mix aus Tradition und strömenden Massen der Touristen. Was auch immer es ist, es macht mich froh. 

Ich bin grundsätzlich eher ein Mensch, der sehr rational Entscheidungen trifft. Ich überdenke alles immer und immer wieder aufs neue, alle Pro’s und Kontra’s werden abgewogen, bis ich schließlich kaum noch weiß, worauf es wirklich ankommt. Meine Entscheidung nach Prag zu gehen, habe ich aber ganz aus dem Bauch heraus getroffen. Ich habe diese Stadt noch niemals zuvor besucht, als ich entschied, dass ich hierher möchte. Es war meine Erstwahl. Und es war goldrichtig. Das zeigt doch, wie gut es ist, dem Bauchgefühl zu folgen. Und jetzt muss ich an den Psychologie-Unterricht mit meinem Lieblingsprofessor denken. Wer, oder was in uns trifft die Entscheidungen? Ist es wirklich das Ich, dass die Pro und Kontra- Listen schreibt? Oder werden die Entscheidungen schon lange vorher in uns getroffen, in unserem Unterbewusstsein und wir suchen schließlich nur nach Gründen um diese Entscheidungen zu rechtfertigen, oder diese nicht zu befolgen? Verwirrend. 

Ich glaube, dass es eine gute Idee ist, hin und wieder den Rationalismus beiseite zu schieben und wirklich seinen Intuitionen zu folgen. Wer weiß, wohin uns diese Wege führen werden? So bin ich dank meinem Bauchgefühl hier gelandet und angekommen. Ich habe so viele großartige und aufgeschlossene Menschen kennengelernt, wie schon lange nicht mehr. Also für alle dort draußen, die noch Pro und Kontra- Listen schreiben: Tut das, was euch als erstes in den Sinn kommt. Ich glaube nichts ist so schön und spannend, wie das Ausbrechen aus der Routine, aus dem alltäglichen und sicheren Denken. 

 

„Wenn mich jemand fragt, warum ich reise, antworte ich: Ich weiß wohl wovor ich fliehe, aber nicht, wonach ich suche.“ 

(Michel de Montaigne)

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